Biotoppflege – das Outdoorfitnesscenter
Ihr seid doch ein Naturschutzverein – warum geht Ihr mit Freischneider und Kreiselmäher ins Gelände und mäht? Warum entfernt Ihr Gehölze? Warum überlasst Ihr die Natur nicht einfach sich selbst?
Eine gute Frage – schließlich wird zum Beispiel im Nationalpark im Hunsrück Wert daraufgelegt, dass sich die Kernzonen möglichst unbeeinflusst vom Menschen entwickeln können.
Wir leben in Rheinhessen in einer alten Kulturlandschaft, in der seit mindestens 3000 Jahren Menschen das Land in unterschiedlichster Form nutzen, bis vor etwa 100-150 Jahren in kleinteiliger Form: kleine Felder, Obstflächen, Weinberge, Weiden für das Vieh, Wegränder wurden für Kaninchenfutter gemäht, Sand- und Kalkgruben zum privaten Gebrauch und zahlreiche weitere Nutzungsformen, die heute teils komplett vergessen sind. Noch das kleinste Eckchen wurde genutzt. Gleichzeitig gab es weder Kunstdünger noch Pflanzenschutzmittel, viele der Flächen waren ausgesprochen nährstoffarm. Diese Bedingungen schufen Lebensräume, die kleinteilig und vielfältig waren, auch konkurrenzschwache Arten hatten gute Chancen und über die Zeit konnten sich sehr viele Pflanzen- und Tierarten etablieren. Die höchste Artenvielfalt gab es gegen Ende des 19. Jahrhunderts.
Unser Vereinsgelände mit dem Naturschutzzentrum dient der Naturschutzbildung und macht die Flora der Ingelheimer Flugsande und die Welt der Wildbienen erlebbar.
Durch Nutzungsintensivierung und Nutzungsänderung auf der einen und Nutzungsaufgabe auf der anderen Seite verlieren konkurrenzschwache Arten ihren Lebensraum. Hinzu kommt der heute erhebliche Eintrag von Stickstoffverbindungen aus Verkehr und Landwirtschaft, der dazu führt, dass wenige nährstoffliebende konkurrenzstarke Arten die Flächen zuwachsen. Nicht gemähte oder beweidete Wiesen „verbuschen“ weil Sträucher und Bäume hochkommen. Die Biotopflege ahmt alte Bewirtschaftungsformen nach – im Grunde geht es darum, aufkommende Gehölze gezielt zu entfernen (einzelne bleiben auch als Lebensraum für Vögel stehen), die Flächen zu geeigneter Zeit zu mähen und die Biomasse ( - oder weniger geschwollen – das Gras) von den Flächen zu räumen, um wieder Licht & Platz zu schaffen und Nährstoffe abzutransportieren. Auch wenn wir dabei maschinelle Unterstützung haben, ist es doch körperliche Arbeit an der frischen Luft – nach einer Bürowoche eine gute Abwechslung. Wenn du Lust hast, mitzumachen – wir veröffentlichen die Pflegetermin hier und freuen uns über Hilfe – wenn Du uns vorher Bescheid gibst, können wir Dich beim Imbiss einplanen und Bescheid geben, wenn etwas dazwischen kommt.