Bemerkenswerte Ingelheimer Arten 

Auf dieser Seite finden Sie Hinweise und Beschreibung von typische Arten der Ingelheimer Gemarkung.
Über das Gästebuch können Sie auch Vorschläge für eine spezielle Art machen.
Die Themen werden in regelmäßigen Abständen gewechselt.

 

Pilze in unserer Umgebung

 

""Pilze in Ingelheim? Was soll es in der trockenen Gegend schon geben!" wird sich mancher fragen. Natürlich, um Speisepilze zu sammeln, ist Ingelheim, meist (nicht immer!!) sicher nicht erste Wahl, betrachtet man die Welt der Pilze aber einmal nicht nur unter dem Gesichtspunkt "Kann man die essen?", dann sind durchaus und gerade wegen der scheinbar pilzunfreundlichen Klima - und Bodenverhältnisse auch in Ingelheim Funde möglich, die das Herz des Kenners höher schlagen lassen. Einige besonders interessante oder auffällige Arten sollen hier vorgestellt werden.

Wenn man in Ingelheim Pilze sucht, gibt es zwei besonders interessante Bereiche, einerseits die Rheinauen und andererseits, so komisch es sich auch anhört, die sandigen, kaum bewachsenen ``Steppen``.

Gehen wir also zuerst in die Rheinauen. Diese werden geprägt durch gewaltige , nach den Krieg gepflanzte Hybridpappeln, die seit einiger Zeit nach und nach gefällt werden. An diesen Pappeln und nach dem Fällen an deren Überresten finden sich einige recht auffällige Pilze.

An einigen Stellen sieht man selbst von der Autobahn aus an den Pappeln die mehrjährigen Fruchtkörper des Zunderschwamms (Fomes formantarius), der bereits seit der Steinzeit (Ötzi hatte auch ein Stück dabei!) zu Herstellung von Zunder sogar gewerblich gesammelt wurde. Das zähe Innere der Fruchtkörper, die jedes Jahr eine neue Schicht Röhren ausbildet, wurde durch intensives Klopfen und Einweichen zu einem lederartigen Stoff erhalten, der zu Hüten und Umhängen verarbeitet wurde. Der Zunderschwamm war 1995 übrigens Pilz des Jahres.

Wird die Pappel gefällt, kann sich im verbliebenen Wurzelstock der Südliche Ackerling (Agrocybe .cylindracea) breit machen, ein Wärme liebender Pilz, der bei uns seine nördliche Verbreitungsgrenze hat und z.B. in Italien ein beliebter und seit der Zeit der Römer auf Pappelholz kultivierter Speisepilz ist. Findet man den Pilz in den Rheinauen, sollte man bei allem Appetit bedenken, dass die Bestimmungen der Naturschutzgebiete auch für Pilze gelten! An den liegenden Stämmen der Pappeln brechen etwa im Oktober oft direkt aus der Mitte der Schnittfläche große, helle Pilze hervor, der Pappelschüppling (Pholiota populnea) , der trotz seines verlockendes Äußeren leider ungenießbar ist.

Zumindest im jungen Stadium genießbar (alt schmeckt er wie Pappe) ist dagegen der leuchtend gelbe Schwefelporling (Laetiporus sulphureus), dessen große, konsolenförmige Fruchtkörper vor allen an Weiden und Robinien , zum Leidwesen der Obstbauern auch an Apfelbäumen, erscheinen und weithin zu sehen sind. Dieser Pilz ist ein aggressiver Parasit, dessen Auftreten das baldige Ende des befallenen Baumes bedeutend..

An liegenden, schon etwas morscheren Stämmen und Stubben in den Rheinauen findet man vor allem in Winter den Wärme liebenden Gezonte Ohrlappenpilz (Auricularia mesenterica) ein naher verwandter eines Pilzes, den die meisten als "Chinesische Morchel" oder Mu-Err ( = Baum-Ohr) aus dem Chinarestaurant kennen, dem Judasohr (Auricularia auricularia-judea) (Mit den Morcheln hat er allerdings ungefähr soviel zu tun wie die Wale mit den Fischen). Das Judas-Ohr wächst vor allem an abgestorbenen Holunderstämmen, teilweise auch an anderen Laubbäumen. Da der Stickstoff liebende Holunder gern das Unterholz der Robinienwälder bildet, kommt das Judasohr auch um Ingelheim viel vor und profitiert indirekt von der Ausbreitung der Robinien. Seinen Namen hat es übrigens daher, dass die Sage berichtet, man habe diesen Pilz an dem Baum gefunden, an dem sich Judas Ischariot nach seinem Verrat an Jesus von Nazareth erhängt habe - einem Holunder. Die Robinienwälder führen uns zu einem anderen, sehr typischen Ingelheimer Lebensraum: den Sandflächen und trockenen Wiesen. Selbst dort gibt es Pilze, vor allem in Spätherbst und im Winterhalbjahr, wenn ausreichend Feuchtigkeit vorhanden ist. Als Beispiel für die Spezialisten unter den Pilzen, die diese Lebensräume besiedeln, seien die Stielboviste (Tulostoma) genannt, relativ unscheinbare, kleine Bauchpilze, die wie Kegelige Lichtnelke und Sandstrohblume eigentlich Bewohner der in Südosteuropa beginnenden Steppengebiete sind. Von den 6 in Deutschland vorkommenden Arten dieser Gattung kommen wahrscheinlich mindestens drei um Ingelheim vor, kein schlechter Schnitt - und wir suchen weiter ….

Diese Beispiele sollen fürs Erste genügen, um zu zeigen, das auch in und um Ingelheim durchaus faszinierende Pilzarten vorkommen, viele weitere kann man in Gärten, Parks, Wiesen und Weinbergen finden - also halten Sie beim Spaziergehen in Ingelheim die Augen offen es gibt viel zu entdecken!

Wer durch diese Seite angeregt wurde, sich näher mit Pilzen zu befassen, sollte mit den Pilzfreunden des  NABU  in Bingen Kontakt aufnehmen.

Am 26. und 27 Oktober 2007 fand im Naturschutzzentrum Ingelheim wieder ein Pilzseminar statt. Bilder aus unseren Seminaren zeigen, wie erfolgreich die Teilnahme war.

Hagen Graebner

 

 

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