Umsiedlung eines Hornissenvolkes

Die Naturschutzgruppe Ingelheim setzt sich dieses Jahr besonders für Schutz und Erhaltung von Wildbienen, Hummeln, Wespen und Hornissen ein. Zu diesem Zweck arbeiten wir auch mit den Imkern zusammen und erstellen am Naturschutzzentrum Ingelheim einen Bienenlehrpfad um für diese Tiergruppe mehr Verständnis und Rücksicht bei der Bevölkerung zu erreichen. Des Weiteren wurde in einem Presseartikel auf die Nützlichkeit der  Wespen und Hornissen hingewiesen. In zahlreichen Fällen konnten wir schon bei Problemen mit Wespen helfen. Fast immer konnten die Wespen ihr Nest (meist in Rollladenkästen) behalten und wurden für dieses Jahr toleriert.
Hochsitz mit Hornissennest Diese Öffentlichkeitsarbeit ergab auch, dass sich ein Ingelheimer Jagdpächter um Hilfe an uns wendete. In einem seiner Jagdhochsitze hatten sich Hornissen angesiedelt, so dass dieser für ihn nicht mehr nutzbar war. Er war aber auf die Nutzung dringend angewiesen.

Die Besichtigung des Nestes ergab, dass es sich noch im Anfangsstadium befand und deshalb die Chancen gut waren, es fachgerecht ohne Verluste umzusiedeln. Da es sich jedoch bei Hornissen um eine besonders geschützte Art handelt, musste erst von der zuständigen Behörde eine Ausnahmegenehmigung eingeholt werden. Der Genehmigung wurde auch kurzfristig erteilt und so konnte die Umsiedlung in Angriff genommen werden.

Hornissennest
Arbeiten mit Schutzausrüstung Alle Arbeiten wurden mit stichfester Kleidung und mit einem Imkerhut durchgeführt. Dabei war die Erfahrung im Umgang mit Bienen und Wespen von großem Vorteil.
Die Waben wurden in einen Hornissenkasten aus Siebdruckplatten mit den Maßen 50cm x 25cm x 25cm umgesetzt. Zur Befestigung der Waben sind im oberen Bereich des Kastens Drähte im Abstand von 4cm eingezogen. Alle Arbeiterinnen verteidigten aufgeregt das Nest, die Königin blieb jedoch bei den Waben. Sie sitzt auf diesem Bild an der rechten Innenwand. Umgesetzte Hornissenwaben
Weiterbau des Hornissennestes Die Nachkontrolle nach 48 Stunden ergab, dass alle Hornissen sich am Aufbau des Nestes beteiligten Döschen Leberwurst und ein Döschen mit Zuckerlösung in den Kasten. Die Vorderwand mit zwei Fluglöchern wurde nun eingesetzt und weitere 30 Stunden konnten sich die  Insekten an die neue Behausung gewöhnen. Das Umsetzen erfolgte nach Einbruch der Dunkelheit als alle Tiere im Nest waren. Die Einfluglöcher wurden mit Korken verschlossen und der Transport verlief ohne Probleme.

Der neue Standort befindet sich etwa in 700 Meter Entfernung vom ehemaligen Nistplatz in einem lichten Wäldchen in etwa 3m Höhe an einen Baum. Eine erste Kontrolle nach einer Woche ergab normalen, ruhigen Flugbetrieb. Die innere Kontrolle des Nistkastens im Spätherbst wird ergeben, welchen Umfang das Volk erreicht hat und wie erfolgreich letztendlich die Umsiedlung war.

Die Aktion im Juli 2009 wurde durchgeführt durch Gerhard Haupt.

 Hornissenkasten am neuen Standort
Nestzustand im Herbst

Abschlussbericht:

Ende Oktober wurde am Hornissenkasten kein Flugbetrieb mehr festgestellt. Darauf hin wurde der Kasten geöffnet und ein schön entwickeltes Nest mit einer Länge von 35cm vorgefunden. Die Umsiedlung der Hornissen kann damit als gelungen betrachtet werden. Der Kasten wurde gesäubert und für das nächste Jahr wieder an gleicher Stelle wieder angebracht.   

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